Ein Gewerbegebiet für den Mittelstand – oder ein Logistikpark?
Der MLP Business Park auf Schalke sorgt seit Monaten für Diskussionen. Wie bereits mehrfach in den Medien berichtet wurde, hält der Investor nach Auffassung der Stadt wesentliche Vorgaben der zugrundeliegenden Durchführungsvereinbarung nicht ein. Die Stadtverwaltung arbeitet deshalb derzeit an einer Neufassung der vertraglichen Regelungen.
Als der Rat dem Projekt zustimmte, war die Zielsetzung eindeutig. Auf dem Gelände sollte ein gemischter Gewerbepark entstehen, in dem sich unterschiedliche Unternehmen ansiedeln können – vom Handwerksbetrieb über Dienstleister bis hin zum produzierenden Gewerbe. Ziel war eine vielfältige Wirtschaftsstruktur mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen und einer breiten Unternehmensbasis.
Heute zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Statt eines gemischten Gewerbeparks entsteht dort nach unserem Eindruck genau das, was ursprünglich verhindert werden sollte: ein reiner Logistikstandort. Mit Winit zieht ein international tätiges Logistikunternehmen ein, und auch das Erscheinungsbild des Projekts entspricht inzwischen einem modernen, hocheffizienten Logistikzentrum.
Natürlich werden dabei neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Doch die Zahl allein beantwortet noch nicht die entscheidende Frage: Welche Wirtschaftsstruktur wollen wir in Gelsenkirchen langfristig aufbauen? Ein gemischtes Gewerbegebiet verteilt Risiken auf viele Unternehmen, schafft unterschiedliche Qualifikations- und Beschäftigungsmöglichkeiten und stärkt den lokalen Mittelstand. Die Konzentration auf einen einzelnen Großnutzer sehen wir dagegen kritisch – insbesondere in einem Bereich, der zunehmend von Automatisierung geprägt wird.
Besonders problematisch finden wir, dass inzwischen offenbar weniger darüber diskutiert wird, ob die ursprünglichen Ziele des Projekts noch erreicht werden, sondern vor allem darüber, wie die entstandene Situation nachträglich rechtlich abgesichert werden kann. Nach unserem Eindruck soll nicht mehr die ursprüngliche Planung umgesetzt werden – vielmehr wird die Planung an die inzwischen eingetretene Realität angepasst.
SPD, CDU, FDP und Grüne scheinen diesen Kurs bislang weitgehend mitzutragen. Eine grundsätzliche politische Debatte darüber, ob hier noch das umgesetzt wird, was ursprünglich beschlossen wurde, findet aus unserer Sicht kaum statt. Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung halten wir das für einen Fehler.
Für uns geht es deshalb um mehr als einen Vertrag. Es geht um die Frage, ob politische Beschlüsse in Gelsenkirchen noch verbindlich sind. Wer einem Gewerbegebiet für Mittelstand, Handwerk und Dienstleistungen zustimmt, sollte am Ende nicht erklären müssen, warum dort etwas völlig anderes entsteht. Beschlüsse müssen mehr wert sein als Papier.